Cargo-Sammlung

Der Wegfall des Alten, vor allem der alten Arbeitsstätten gibt Raum für die verrücktesten Spekulationen, für Zukunftsprojektionen, die sich nicht an der Gegenwart zu orientieren scheinen. Die Kisten der Stadtränder verbergen und zeigen das, was unsere Gesellschaft bindet, die Verwaltung und den Handel mit Waren, von deren Herstellung wir schon lange nichts mehr wissen.

Das Vorratsgefäß oder die Büchse der Pandora verbarg die Übel der Menschheit. – Dass die Hoffnung im Gegensatz zu Krankheit, Hunger oder Sorge im Gefäß verblieb, wurde dabei nicht immer als weiteres Unglück, sondern zunächst als Erleichterung interpretiert: Wenigstens ein Übel bliebe den Menschen erspart. – Die allgegenwärtigen Kisten, Container, kastenförmigen Hallen, Schilderflächen der Vorstädte verbergen die Hoffnung auf kommendes Glück.

Nach der Konfrontation mit europäischen Eroberern, Händlern und Missionaren entwickelten sich an unterschiedlichen Orten Melanesiens Handlungsweisen, die sich angesichts unserer Kistenwelten als Parodie auf spätkapitalistische Funktionsweisen lesen lassen: Um das Cargo der Weißen und damit ihre Macht zu erlangen, wurden Lagerhäuser, Flugplätze oder Geldvermehrungs-Kisten angelegt. Neben verschiedenen kultischen Handlungen beinhalteten die sogenannten "Cargo-Kulte" immer auch die Niederlegung der Zwangsarbeit auf den Plantagen, in den Bergwerken oder in anderen, durch Kolonialisten eingerichtete Arbeitsstätten. Von diesen gerade deshalb massiv bekämpft und als Irrsinn abgetan, versuchten die in die Kulte Involvierten weniger die Lebensweise der Europäer und später der Japaner und US-Amerikaner zu bekämpfen, als vielmehr sie zu kopieren. Die Bewohner der Inselgruppen nord-östlich von Australien versuchten genauso wie ihre Besatzer oder ›Entdecker‹ auf Ladung zu warten – ohne ersichtliche körperliche Arbeit, durch die Vorbereitung der Landung von Schiffen oder Flugzeugen.

Das Buch "Der leeren Platz" sowie die Objekte der "Cargo-Sammlung" entstanden als Hommage an diese sehr politischen Kulte.

Internetpräsenz von Gesa Foken

Catamaran

Mit anderen Zeichen

Partisanenpresse

Druck

Cargo-Sammlung
[07-10]

Der leere Platz [07-10]

Hoffnung [08]

So da [10/11]

Kontakt/ Impressum

Vita

Themen: Stadtrest Bleibe Cargo Reflex Aktuell
Gesa Foken
Cargo-Sammlung
Karton/Verpackungsreste/Kohle/
Tempera/Holz/Silikon/Stoff/Papier
ca. 16 x 12 x 12 cm
2007-10
Diashow: Flugzeug, Bett, Stereo, TV, Trommel, Wolke, Zaun, Wasser, Waschmaschine, Golem
Die "Cargo-Sammlung" steht parallel zur Audioinstallation "Der leere Platz".
Stimme: Hans Henrik Wöhler
Produktion: Patrick Becker
Aufnahme: bromologic Tonstudio Leipzig